Gebietskulisse dringend erweitern – Wohnungskrise macht nicht an Stadtgrenzen halt

Heidelberg, 7. November 2025.
Der Mieterverein Heidelberg fordert nach Veröffentlichung der neuen Gebietskulisse für Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt in Baden-Württemberg eine deutliche Nachjustierung. Zwar ist Heidelberg erneut Teil der Kulisse – die Auswahl greift jedoch zu kurz. Aus Sicht des Vereins müssen auch die angrenzenden Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis, die eng in den Heidelberger Wohnungsmarkt eingebunden sind, dringend einbezogen werden.

„Wer in Heidelberg arbeitet, studiert oder Beratung sucht, wohnt längst nicht mehr zwingend innerhalb der Stadtgrenzen. Gemeinden wie Leimen, Sandhausen, Eppelheim, Dossenheim, Schriesheim oder Neckargemünd sind faktisch Teil desselben Miet- und Pendelraums. Hier steigen die Mieten seit Jahren genauso stark – oft sogar schneller – als in der Kernstadt“, erklärt Nils Meier, Geschäftsführer des Mietervereins Heidelberg.

Wohnungskrise erreicht die Mittelschicht

Der aktuelle Mietenreport 2025 des Deutschen Mieterbundes zeigt, dass die Wohnungs- und Mietenkrise längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Über sechs Millionen Mieter:innen in Deutschland gelten als extrem durch Wohnkosten überlastet, und fast jede:r Dritte fürchtet, sich die Miete künftig nicht mehr leisten zu können.
Auch Baden-Württemberg liegt mit einer Mietquote von über 51 Prozent bundesweit im oberen Bereich.

RA Fritz Vollrath, Rechtsberater des Mietervereins Heidelberg, warnt:

„Heidelberg steht exemplarisch für die strukturelle Fehlentwicklung in Südwestdeutschland. Die Angebotsmieten liegen regelmäßig über 20 Prozent über dem Mietspiegel. Ohne Einbeziehung des Umlands in die Gebietskulisse laufen die Landesinstrumente ins Leere.“

Umlandgemeinden unter Druck

Die vom Mieterverein Heidelberg betreuten Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis verzeichnen seit Jahren ähnliche Mietsteigerungen wie Heidelberg selbst.
Nach Auswertung der Pestel-Studie im Auftrag des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg gehören auch Mittelzentren wie Leimen, Hockenheim oder Wiesloch längst zu den „hochbelasteten Räumen“.
Zwar bestehen dort bislang keine formellen Kappungsgrenzen, die Mietpreisbremse greift aber faktisch nicht, weil keine ausreichende Datenbasis vorliegt.

„Wenn diese Kommunen nicht in die Gebietskulisse aufgenommen werden, droht ein Ausweichen der Mieterhöhungswelle ins direkte Umfeld Heidelbergs. Damit verlagert sich das Problem nur – es wird nicht gelöst“, so Meier.

PHV-Stillstand verschärft Druck

Wie der jüngste RNZ-Bericht zeigt, sorgt die unklare Zukunft des Patrick-Henry-Village (PHV) für zusätzliche Unsicherheit.
Der ursprünglich geplante neue Stadtteil für 10.000 Menschen sollte eine spürbare Entlastung bringen. Nun droht durch die bundeswehrinterne Prüfung ein jahrelanger Stillstand – mit massiven Folgen für den regionalen Wohnungsmarkt.

„Wenn das PHV als ziviles Wohngebiet wegfällt, verschärft sich die Wohnungsknappheit bis weit ins Umland. Schon jetzt sind viele ältere Mieter:innen gezwungen, in zu großen Wohnungen zu bleiben, weil sie keine bezahlbare Alternative finden“, ergänzt der Vorsitzende des Mietervereins, Sören Michelsburg.

Forderung an das Land

Der Mieterverein Heidelberg appelliert an das Landesbauministerium, die Gebietskulisse um das gesamte eng verflochtene Umland Heidelbergs zu erweitern und dabei den funktionalen Wohnungsmarkt – nicht nur die Verwaltungsgrenzen – als Maßstab zu nehmen.
Nur so können Kappungsgrenze, Mietpreisbremse und Zweckentfremdungsverbote ihre Wirkung entfalten.

„Das Land darf nicht auf den Stadtgrenzen stehen bleiben. Eine realistische Gebietskulisse muss den zusammenhängenden Mietmarkt Heidelberg-Rhein-Neckar abbilden. Das ist Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit und wirksame Mietenpolitik“, so Meier abschließend.

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