Mietenreport 2025: Wohnungskrise erreicht Mitte der Gesellschaft

Berlin, 6. November 2025


 
Mieterbund-Präsidentin Dr. Melanie Weber-Moritz:(dmb) Der Deutsche Mieterbund (DMB) stellt heute in der Bundespressekonferenz den Mietenreport 2025 vor, der die Entwicklung der Wohnungsmärkte in Deutschland dokumentiert. Im Mietenreport wird die Wohnsituation von Mieter:innen in Deutschland umfassend und anhand der folgenden Fragen untersucht: In welchem Ausmaß fehlt guter und bezahlbarer Wohnraum, welche Sorgen haben Mieter:innen, wer ist besonders durch seine Wohnkosten belastet, wie stellen sich die aktuellen Wohnverhältnisse dar und welche politischen Lösungen braucht es, um bezahlbares Wohnen sicherzustellen?

Deutschland bleibt das „Mieter:innenland Nummer 1“ in Europa. Im Jahr 2024 lebten mehr als 52,8 % der Bevölkerung zur Miete – das sind über 44 Millionen Menschen in mehr als 20 Millionen Haushalten. Die Zahl der Mieter:innen ist in den letzten fünf Jahren um fast drei Millionen gestiegen. Doch die Wohnungssituation hat sich für viele dramatisch verschärft. Der Mietenreport 2025 zeigt, dass nicht nur die einkommensschwächeren Mieter:innen betroffen sind, sondern auch die Mittelschicht zunehmend in Mietnot gerät.

„Wohnen wird für immer mehr Menschen zum Armutsrisiko“, erklärt die Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz. „Die Wohnungskrise betrifft nicht nur die Ärmsten, sondern auch die breite Mitte der Gesellschaft. Millionen Mieter:innen leben mit der Angst ihre Wohnung zu verlieren und wissen nicht, wie lange sie die steigenden Mieten noch tragen können.“

Zentrale Befunde des Mietenreports 2025:

  • Rund 6 Millionen Mieter:innen (13,2 %) sind 2024 durch hohe Wohnkosten extrem belastet.
  • Mehr als 12,8 Millionen Mieter:innen (29 %) haben Angst, sich ihre Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten zu können – fast jede:r Dritte.
  • 7 Millionen Mieter:innen (16 %) befürchten, ihre Wohnung zu verlieren.

In der Studie werden außerdem starke regionale Unterschiede und strukturelle Missstände aufgezeigt: Haushalte mit Kindern sind besonders von steigenden Mieten betroffen und finden immer seltener eine bezahlbare Wohnung
.
Die Mietquote variiert dabei stark zwischen den Bundesländern: In Berlin liegt sie bei 84 %, in einigen ländlichen Regionen bei 40 %.

19 % der Mieter:innen, also mehr als 8 Millionen, leben in überbelegten Wohnungen. 16 % der Bevölkerung, also jede:r Sechste, lebt in einer Wohnung mit zum Teil schwerwiegenden Mängeln wie Schimmel oder Feuchtigkeit.

Politische Konsequenzen und Forderungen des DMB:

Der Mietenreport 2025 verdeutlicht, dass die Bundesregierung insgesamt mehr tun muss, um die Wohnungskrise zu bekämpfen. Trotz einzelner Maßnahmen wie der Verlängerung der Mietpreisbremse und der beschlossenen Beschleunigung von Bauvorhaben, reicht dies nicht aus, um das Wohnproblem dauerhaft zu lösen.

„Wohnen ist ein Menschenrecht und die Bundesregierung muss deutlich entschlossenere Schritte unternehmen, um für alle Menschen in Deutschland bezahlbaren Wohnraum zu sichern“, fordert Weber-Moritz. „Der Markt wird die Krise von allein nicht lösen. Wir brauchen eine klare und mutige wohnungspolitische Strategie.“

Der DMB fordert konkrete Maßnahmen für Mieter:innen: Eine scharfe Mietpreisbremse und die Ahndung von Mietwucher, eine Begrenzung von Mieterhöhungsmöglichkeiten im Bestand und einen befristeten Mietenstopp, die Abschaffung von Indexmieten, das Verbot missbräuchlicher Möblierungszuschläge und die strengere Regulierung von Kurzzeitvermietungen. Zudem müssen der Kündigungsschutz verbessert sowie Zwangsräumungen verhindert werden.

Darüber hinaus müssen durch eine echte Wohnungsbauoffensive der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 verdoppelt werden und jährlich 60.000 neue bezahlbare Mietwohnungen für Normalverdienende entstehen. Wohnen muss als Grundrecht im Grundgesetz verankert und Spekulationen auf dem Wohnungsmarkt müssen verhindert werden. 

„Wohnen ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, so Weber-Moritz. „Es ist zentrale Grundlage für Teilhabe, Sicherheit und Würde. Wenn Millionen von Menschen keine bezahlbare Wohnung finden können und mit der Angst leben, ihre Wohnung zu verlieren, dann ist dies ein ernstzunehmender Befund und ein Hinweis darauf, dass Wohnen die soziale Krise unserer Zeit ist.“

Unseren Mietenreport 2025 finden Sie hier.

Situation in Heidelberg und im Rhein-Neckar-Raum

Auch in Heidelberg und den angrenzenden Gemeinden zeigt sich die Entwicklung deutlich.
Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt laut Mietspiegel 2025 bei 11,14 €/m², im Umland (Schwetzingen, Leimen, Wiesloch) teils bereits über 12 €/m².
Gleichzeitig fehlen nach aktuellen Analysen der Pestel-Studie mehrere tausend bezahlbare Wohnungen im Raum Rhein-Neckar.

„Wir erleben täglich in unseren Beratungen, dass auch Menschen mit regulärem Einkommen die steigenden Mieten nicht mehr stemmen können“, berichtet Nils Meier, Geschäftsführer des Mietervereins Heidelberg. „Was der Mietenreport bundesweit zeigt, erleben wir hier vor Ort. Die Krise ist längst in der Mitte angekommen.“

Hintergrund: Mietenreport 2025

Der Mietenreport 2025 basiert auf einer groß angelegten Auswertung von Daten aus amtlichen Statistiken, repräsentativen Befragungen und wissenschaftlichen Erhebungen des Deutschen Mieterbundes.
Er zeigt deutlich: Die Entlastungsmaßnahmen der vergangenen Jahre – etwa die Verlängerung der Mietpreisbremse und die beschleunigten Bauverfahren – reichen nicht aus, um den Trend zu stoppen.

„Bezahlbares Wohnen darf kein Luxusgut sein“, betont Sören Michelsburg, Vorsitzender des Mietervereins Heidelberg. „Heidelberg steht exemplarisch für viele Städte, in denen die Wohnkosten explodieren und die öffentliche Förderung nicht Schritt hält.“

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