Alarmsignal für den Wohnungsmarkt: Weniger Mehrfamilienhäuser genehmigt — Heidelberger Mieter*innen zahlen den Preis

Wer in Heidelberg eine bezahlbare Mietwohnung sucht, kennt das Gefühl: zu wenig Angebot, zu hohe Preise, zu wenig Hoffnung auf Besserung. Neue Zahlen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg machen diese Erfahrung nun mit harten Fakten messbar — und der Deutsche Mieterbund Baden-Württemberg (DMB BW) schlägt Alarm. Die Lage am Wohnungsmarkt droht sich in den kommenden Jahren weiter zu verschärfen. Für Heidelberg ist das keine abstrakte Warnung, sondern eine konkrete Bedrohung für tausende Mieter*innen.

Die Zahlen des Einbruchs

Im Dezember 2025 wurden in Baden-Württemberg lediglich 2.148 Wohnungen genehmigt — das entspricht einem Rückgang von 22,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders besorgniserregend ist dabei die Schieflage zwischen den Gebäudetypen: Während die Genehmigungen für Einfamilienhäuser im vierten Quartal 2025 um über 22 Prozent zulegten, gingen die Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser um 5,7 Prozent zurück.

„Diese Schieflage ist fatal“, kommentiert Rolf Gaßmann, Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg. „Wir bauen am Bedarf der breiten Bevölkerung vorbei. Während das Segment des Einfamilienhauses wächst, bricht uns dort der Boden weg, wo bezahlbarer Mietraum entstehen muss: im Mehrfamilienhausbau und bei den Wohnheimen.“

Ein wichtiger Kontext: Für das Gesamtjahr 2025 gab es in BW zwar einen leichten Anstieg der Genehmigungszahlen um rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr — Landesbauministerin Razavi sprach von einem „Hoffnungsschimmer“, betonte aber gleichzeitig, die Lage am Bausektor bleibe „weiter fragil“ (Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung). Der Dezember-Einbruch zeigt, wie zerbrechlich dieser Aufwärtstrend ist. Und: Experten wie Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe warnen, dass 2026 die Fertigstellungszahlen weiter sinken werden, weil eine genehmigte Wohnung erst in zwei bis drei Jahren fertiggestellt ist (Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung) Was heute nicht genehmigt wird, fehlt morgen auf dem Markt.

(Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, DMB BW Pressemitteilung, RNZ 20.02.2026)

Heidelberg ist bei aller stadtplanerischen Aktivität kein Sonderfall — sondern ein Brennglas für das landesweite Problem.

Neubau in Heidelberg: Stabil, aber nicht ausreichend. Im Jahr 2024 wurden 571 neue Wohnungen in 206 Bauprojekten fertiggestellt — in etwa der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von rund 600 Wohnungen jährlich. Erstmals stieg der Gesamtbestand auf über 80.000 Wohnungen. Positiv: 260 neue geförderte Wohnungen kamen hinzu, sodass Heidelberg nun über 3.255 Wohnungen mit Sozialbindung verfügt (Quelle: MRN-News).

Das klingt zunächst gut — ist es aber nicht. Bei rund 160.000 Einwohner*innen bedeuten 3.255 Sozialwohnungen, dass lediglich ca. 2 Prozent des Bestands preisgebunden sind. Zum Vergleich: Der DMB BW fordert, dass der landesweite Sozialwohnungsbestand bis 2030 von 54.000 auf 75.000 Einheiten steigt — dafür bräuchte es in Heidelberg proportional deutlich mehr als den aktuellen Zuwachs von 260 Einheiten pro Jahr.

Das Konversionspotenzial ist begrenzt und zeitlich befristet. Heidelberg setzt stark auf seine Konversionsflächen. In Rohrbach entstehen auf zehn Hektar insgesamt 600 Wohnungen, wobei 40 Prozent einkommensabhängig vergeben werden. Im Mark-Twain-Village werden 68 von 122 neuen Wohnungen nach Landesvorgaben gefördert (Quelle: Heidelberg). Für Patrick-Henry-Village (PHV) — Heidelbergs größter Entwicklungsfläche — sieht das wohnungspolitische Konzept vor, dass 30 Prozent geförderter und 20 Prozent preisgedämpfter Wohnraum entstehen sollen (Quelle: Heidelberg). Das ist ambitioniert — aber PHV ist die letzte große Reserve. Danach gibt es keine vergleichbaren Flächen mehr.

Das strukturelle Problem bleibt: Das Baulandprogramm der Stadt Heidelberg geht davon aus, dass zwischen 2022 und 2035 rund 10.800 neue Wohnungen benötigt werden, mit der vorhandenen Flächenkulisse aber nur rund 10.000 realisierbar sind (Quelle: Heidelberg). Schon jetzt also eine rechnerische Lücke — und das vor dem Hintergrund weiter steigender Mietpreise.

Was der Mieterbund jetzt fordert — und was das für Heidelberg heißt

Der DMB BW stellt drei Kernforderungen an die neue Landesregierung, die aus Sicht des Mietervereins Heidelberg dringend im Koalitionsvertrag verankert werden müssen:

1. Massive Aufstockung der sozialen Wohnraumförderung. Baden-Württemberg muss die Bundesmittel mindestens 1:1 kofinanzieren — ein Ziel, das Bayern längst erreicht hat. Konkret für Heidelberg heißt das: Projekte wie PHV und zukünftige GGH-Neubauten brauchen verlässliche Förderzusagen, ohne jahrelange Wartezeiten bei der L-Bank.

2. Gründung einer Landes-Wohnungsbaugesellschaft. Wo kommunale Träger wie die GGH an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und private Investoren ausbleiben, muss eine Landesgesellschaft einspringen. Gerade für Universitätsstädte wie Heidelberg wäre das ein entscheidendes Instrument.

3. Konsequente Anwendung des Mieterschutzes. Solange der Neubau nicht ausreicht, müssen Mietpreisbremse und Kappungsgrenze den Bestand schützen — wie im → ersten Artikel dieser Serie ausgeführt.

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