Die Landtagswahl in Baden-Württemberg vom 8. März 2026 brachte ein knappes Ergebnis: Die Grünen erreichten 30,2 Prozent und 56 Sitze, die CDU folgte mit 29,7 Prozent und ebenfalls 56 Sitzen, dahinter landete die AfD mit 18,8 Prozent (Quelle: Baden-Württemberg). Die neue Landesregierung steht noch nicht fest — aber die Weichen für die Wohnungspolitik der nächsten fünf Jahre müssen jetzt gestellt werden. Für rund 100.000 Mieter*innen in Heidelberg und die vielen weiteren im Rhein-Neckar-Kreis hängt davon viel ab: Wird die Mietpreisbremse verlängert und gestärkt? Bleibt die Kappungsgrenze abgesenkt? Und wird endlich Ernst gemacht mit bezahlbarem Wohnungsbau?
Der Deutsche Mieterbund Baden-Württemberg (DMB BW) hat unmittelbar nach der Wahl drei Kernforderungen an die Koalitionsverhandlungen formuliert. Hintergrund ist eine durch das Pestel-Institut bestätigte Wohnungsbaulücke von nahezu 200.000 Wohnungen in Baden-Württemberg — bei gleichzeitig steigenden Mieten und wachsender Bevölkerung.
Die drei Forderungen im Überblick:
1. Massive Aufstockung der Wohnraumförderung: Der Bestand an Sozialwohnungen ist seit 2002 von 137.000 auf heute nur noch 54.000 gesunken — obwohl in Baden-Württemberg 14 Prozent aller Einwohner Deutschlands leben, stehen hier lediglich 5 Prozent aller Sozialwohnungen bundesweit. Der DMB BW fordert, dass die neue Landesregierung die Bundesmittel mindestens im Verhältnis 1:1 kofinanziert.
2. Gründung einer Landes-Wohnungsbaugesellschaft: Ein bereits vor acht Jahren in Auftrag gegebenes Gutachten der Prognos AG hatte die Wiedergründung einer solchen Gesellschaft empfohlen, nachdem die ehemals landeseigene Wohnungsgesellschaft 2012 an ein profitorientiertes Unternehmen verkauft worden war. Diese Gesellschaft soll gezielt dort bauen, wo kommunale oder genossenschaftliche Träger nicht ausreichen.
3. Ausweitung des Mieterschutzes: Die Mietpreisbremse und die abgesenkte Kappungsgrenze sollen konsequent auf alle Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt ausgeweitet werden. (Quelle: DMB BW, Pressemitteilung zur Landtagswahl 2026)
Heidelberg gehört zu den angespanntesten Wohnungsmärkten in Baden-Württemberg — und das spiegeln die nackten Zahlen deutlich wider.
Mietpreise auf Rekordhoch: Im ersten Quartal 2026 liegt der durchschnittliche Mietpreis von Angebotsmieten in Heidelberg bei 13,80 Euro pro Quadratmeter — ein Anstieg von rund 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Quelle: ImmoScout24). In begehrten Lagen wie Neuenheim oder der Altstadt werden nach Marktdaten sogar 16 bis über 20 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt laut offiziellem Mietspiegel 2025 bei 11,14 Euro pro Quadratmeter, im Umland wie Schwetzingen, Leimen oder Wiesloch teils bereits über 12 Euro (Quelle: Mieterverein-heidelberg).
Heidelberg ist und bleibt in der Mietpreisbremse: Heidelberg zählt weiterhin zu den Städten in Baden-Württemberg, in denen Mietpreisbremse, abgesenkte Kappungsgrenze und verlängerte Kündigungssperrfrist gelten — als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt. Das ist ein wichtiger Schutzschirm. Doch dieser Schutzschirm ist bedroht: Die Mietpreisbremse wurde in BW zunächst nur bis Ende 2026 verlängert — die Entscheidung über ihre Zukunft liegt nun vollständig bei der neuen Landesregierung (Quelle: Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg)
Die Kappungsgrenze schützt Bestandsmieter*innen: Für Heidelberg gilt die abgesenkte Kappungsgrenze von 15 Prozent innerhalb von drei Jahren — statt der bundesweit üblichen 20 Prozent. Das bedeutet konkret: Vermieter*innen dürfen die Miete in laufenden Mietverhältnissen innerhalb von drei Jahren nur um maximal 15 Prozent erhöhen, sofern die neue Miete dabei nicht über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt (Quelle: Mieterverein-heidelberg). Der DMB BW fordert, diese Grenze bundesweit sogar auf 6 Prozent in drei Jahren zu senken.
Chancen: Sowohl Grüne als auch CDU hatten im Wahlkampf die Stärkung der Wohnraumförderung und die Gründung einer Landes-Wohnungsbaugesellschaft angekündigt. Sollte dies tatsächlich in den Koalitionsvertrag einfließen, wäre das ein echter Fortschritt — auch für Heidelberg, das auf mehr gefördertem Wohnraum dringend angewiesen ist.
Risiken: Die neue Landesregierung muss nach Auslaufen der aktuellen Verordnung Ende 2026 entscheiden, wie es mit der Mietpreisbremse weitergeht (Quelle: Baden-Württemberg). Eine Abschwächung oder das Herausfallen Heidelbergs aus der Gebietskulisse hätte unmittelbare Folgen: Bei Neuvermietungen könnten Vermieter*innen dann wieder bis zu 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen — statt der jetzigen 10 Prozent.
Besonders kritisch: Städte wie Mannheim sind bereits aus der Gebietskulisse herausgefallen (Quelle: Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg), obwohl der Wohnungsmarkt dort nach wie vor angespannt ist. Das zeigt, wie fragil dieser Schutz ist.
Haben Sie Fragen zu Ihren Rechten als Mieter*in in Heidelberg? Ob Mietpreisbremse, Kappungsgrenze oder Mieterhöhungsverlangen — wir beraten Sie persönlich. Jetzt Mitglied werden und Beratungstermin vereinbaren: mieterverein-heidelberg.de

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